St. Blasius Stadtkirchengemeinde

 

Ausstellung

„Alles hat seine Zeit“

noch bis Ende Juni täglich 11-17 Uhr

 

Ein neues künstlerisches Projekt stellt Helga Reimann aus Dransfeld im Mai/Juni in der St. Blasiuskirche vor.

 

Sie hat sich mehr als ein Jahr mit der Gestaltung, Ausarbeitung und dem Verfassen von begleitenden Texten beschäftigt. Beim Eintauchen in das Thema ZEIT fielen die unterschiedlichen Begriffe: ZEITspuren - ZEITzeugen – ZEITreise – Generationen - JahresZEITEN – Epochen - ZEITraum – ZEITzeichen – Chronologien - LebensZEIT und viele mehr. Die Bedeutung und Vielfältigkeit für Mensch, Natur und Umwelt, aber auch für mich ganz persönlich wurden deutlich.

 

Das Thema kristallisierte sich heraus:

Alles hat seine Zeit die Grundaussage aus der biblischen Tradition des alten Bundes im Kohelet/Prediger Kap.3 Aus der Vielfalt haben sich für mich dann einige Arbeitsansätze ergeben: • der Versuch einer Darstellung des Bibel-textes • eine Chronologie des Kulturgutes Schrift/ Buch (Lesen, Schreiben, Drucken) • die ZEITreise einer Institution durch 120 Jahre deutscher Geschichte • in der gegenwärtigen Weltlage sind Friedensnobelpreisträger-/innen wichtige Menschen als ZEITzeugen • das Werden und Vergehen in der Natur am Beispiel der vier JahresZeiten • ZEITspuren zu entdecken an Beispielen von LOST PLACES.

 

Für eine künstlerische Umsetzung mussten sich Gestaltungsformen herauskristallisieren. Das vorhandene Material sollte durchsucht werden, evtl. Ergänzungen geplant, Präsentationsmöglichkeiten überlegt werden. Es sind 50 Acrylmalereien und Fotocollagen in unterschiedlichen Formaten auf XL Leinwand, leichten Leinwänden, Kupferdruckkarton und Sperrholz gestaltet worden. Einige gerahmt, andere je eigen dargestellt. 

Alles hat seine Zeit“ heißt es in der St. Blasius Kirche in Hann. Münden (Ziegelstraße, Höhe Hausnummer 16) bis zum 28. Juni: Die Dransfelder Künstlerin Helga Reimann hat Zeitläufe und Zeitgeschehen ins Bild gesetzt. In ihren Collagen und Gemälden spürte sie dem nach, was unter dem Begriff „Zeit“ alles passiert. Von den Jahreszeiten bis zu technischen und geschichtlichen Entwicklungen ist daraus eine Ausstellung mit großer Vielfalt und Tiefe zum Thema entstanden. Besuchen kann man diese täglich von 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei. Im Gottesdienst am Sonntag, 10. Mai, ab 10 Uhr, wird es eine Einführung in die Ausstellung geben. Die Künstlerin bietet zum Besuch der Ausstellung aber auch ein Begleitheft an und lädt ein, mit diesem die Bilder zu erkunden oder einfach ganz in Ruhe darin zu blättern und zu lesen.

Zeitläufe, Lebenszeit, Zeitgeist, Zeitzeichen – am Anfang ihres Projektes stand das Sammeln. Dabei habe sich für sie herauskristallisiert, das alles seine Zeit habe, beschreibt es die Dransfelder Künstlerin. Das korrespondiert mit dem Bibelabschnitt Prediger, Kapitel 3, dem sie eine eigene künstlerische Umsetzung widmete. Unter „Zeitspuren“ erinnert sie an „Lost Places“. Eine „Zeitreise“ unternimmt sie am Beispiel der Heilstätten Beelitz, eine Einrichtung, die mit ihrer wechselvollen Geschichte steinerner Zeuge politischer und gesellschaftlicher Umbrüche ist. Gebaut als moderne Lungeheilanstalt diente das Krankhaus in den beiden Weltkriegen als Lazarett, wurde verlassen und zum „Lost Place“, zur Filmkulisse und ist heute eine Touristenattraktion, die sogar von einem Baumwipfelpfad aus betrachtet werden kann.

Helga Reimanns „Zeitzeugen“ sind Trägerinnen und Träger des Friedensnobelpreises, Menschen, die sich dafür einsetzen, dass wir in besseren Zeiten leben können. Aus allen Preisträger:innen hat sie 15 ausgewählt, Frauen und Männer aus den verschiedensten Gegenden der Welt. Begonnen hat sie diese Serie zunächst auf speziellem Karton, wechselte dann aber zu ihrer bewährten Collagentechnik auf Leinwand. Hier spiegeln dann auch die verwendeten Elemente den Inhalt wider. So arbeitete sie in das Portrait Mahatma Ghandis ein Stück Leinen ein, da in seinem Wirken die Befreiung der Textilarbeiter eine große Rolle gespielt habe, sagt sie. Manchmal überraschten ihre Bilder sie auch selbst. So stellte sie nach Fertigstellung des Portraits von Denis Mukwege, der sich für Mädchen und Frauen, die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt wurden, einsetzt, fest, dass Formen im Hintergrund sehr weiblich wirken.

 

Neben der Recherche zu ihren Themen sei die Suche nach dem richtigen Material der aufwendigste Teil der Arbeit, sagt Helga Reimann. Das Material spielt in ihren Arbeiten eine wichtige Rolle. So gehörte die Suche nach dem Rohstoff für ihre Chronologie des Kulturgutes Schrift ganz unmittelbar ins Thema: Von der Höhlenmalerei über den Buchdruck bis zum E-Book zeigt eine Serie von Collagen die Entwicklung aufgezeichneter Kommunikation. Verwendet hat sie dafür Sperrholz und ausschließlich Bilderrahmen vom Sperrmüll – also Material, das seine Zeit eigentlich hinter sich hatte, im Kunstprojekt aber eine neue bekommt. Fazit: Besucherinnen und Besucher sollten sich unbedingt auch ihrerseits etwas Zeit für die Ausstellung nehmen, denn es gibt dort viel zu entdecken.

Text und Fotos: Bettina Sangerhausen

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